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Rathaus – – – Fenster zur Welt
Die 2. Alsfelder Kulturtage: vom
16. bis 27. Mai 2012
Genau 500 Jahre nach seiner Grundsteinlegung bildet
das weithin bekannte Wahrzeichen der Stadt Alsfeld,
das historische Rathaus den Schwerpunkt unserer 2.
Alsfelder Kulturtage. Dabei werden zum einen
unterschiedlichste Aspekte seiner Entwicklung,
Nutzung und Sichtweise thematisiert, zum anderen
richtet sich der Blick wie durch Fenster des
altehrwürdigen Gebäudes auf aktuelle
Problemstellungen, Gestaltungsfragen und
Herausforderungen. Eine Leitlinie des
Kulturtage-Programms ist es, das Rathaus seinem
statischen Denkmal-Charakter zu entheben und ihm,
dynamisch und prozesshaft, vielfältige, durchaus
auch neue Beziehungen angedeihen zu lassen, es somit
zum Gegenstand einer lebendigen Auseinandersetzung
zu erheben. Vielfalt der Perspektiven, der Sinne und
der Stile – unter diese Maxime sollen die
‚Rathaus-Kulturtage’ gestellt werden.
In der einen Blickrichtung, derjenigen
aufs Rathaus,
wird das Monument vielfach be- sowie gleichsam
durchleuchtet und damit tiefer verstehbar – als
zentrales, per se in der Fachwerk- Geschichte
Epoche gemacht habendes Bauwerk einer früh
bürgerlich selbstverwalteten und so vergleichsweise
autonomen Stadt. Baugeschichte und
Veränderungsgeschichte des Gebäudes sollen qua
Visualisierung veranschaulicht werden. Hier kann
über mittlerweile gängige computergestützte
Bildbearbeitungsverfahren hinaus sogar mit
Projektionen mittels moderner Lasertechnologie
operiert werden. Auch spekulativen Anteilen ist Raum
zu geben: Gestalt des Vorgängerbaus, Einkleidungen à
la Christo, künftige Erscheinungsbilder (Stichwort:
Fantasien-Wettbewerb). Ein denkbarer Querschnitt
durch die künstlerische Rezeption des Rathauses
bezöge seinen Reiz nicht allein aus der sich
ergebenden Vergleichbarkeit der kunstwerk- und
kunsthandwerklichen Herangehensweisen im Lauf der
Jahrhunderte, sondern auch daraus, dass der
menschliche Blick sich darin als ein historisch
bedingter und keineswegs zeitloser vermittelt. In
diesem Sinne kann auch die freie bis verfremdende
Darstellung des Rathaus-icons ihr Recht
beanspruchen: ‚das rathaus als kalender-girl’ mit
karikaturhaften bis frivolen Annäherungen oder ‚Na,
altes Haus…!’ mit Darstellungen des Rathauses in
neuen Farben, neuem Licht, neuer Sichtweise, auch
als Gegenstand von Stilparodien und dergleichen.
Einbezogen werden sollen unterschiedliche
Äußerungsformen der Kunst/Kultur von Literatur über
Musik, Malerei und Fotografie bis zu freier
Gestaltung mit diversen (z.B. tast- und essbaren)
Materialien.
Losgelöst davon sind bereits verschiedenste
Aktivitäten und Aktionen angestoßen sowie weitere
initiierbar, sich dem Rathaus aus heutiger Sicht
historisch, literarisch, theaterspielend und
musikalisch zu nähern bzw. es in den Kontext der
gegenwärtigen Alsfelder Kulturlandschaft zu stellen:
Eröffnungsveranstaltung der Kulturtage mit Flex à
Ton, Festveranstaltung zum Rathausjubiläum, „Faust“, Kunstprojekte, Konzertchor, Kammerorchester,
Musikschule, Gesangverein(e) und Chöre,
Blasorchester und Bigband, Posaunenchöre,
Kaffeehausmusik, Mundartbands, Gottesdienst,
Präsentationen im Kirchenraum, Lesungen und
Rezitationen, Vorträge, Kammerkonzert, Archivöffnung
und Ausstellungen, Malerei- und Fotografie-Angebote,
Tanzprojekt/-darbietung, Musikalisches und
Literarisches für Senioren, Rock/Pop/Blues für Junge
und Junggebliebene, Jazz, Naturführungen, Projekte
im Hinblick auf die Partnerstädte u.a.m.
Veranstaltungen solcher Art wirken per se einem
Übersättigungs-Effekt entgegen, der durch allzu
strenge Fokussiertheit auf das Rathaus sich
einstellen könnte. Im visuellen Bereich wäre, um
besagte Gefahr zu konterkarieren, ein Mal- und
Gestaltungswettbewerb geeignet, der sich gezielt auf
all jene Funktionen richtet, welche einzelne
Teile/Bereiche des Rathauses durch die Zeitläufte
innehatten: Sitzungssaal, Gefängnis, Standesamt,
Gerichtsort, Tanzboden, Eichstätte, Festsaal,
Theater; auch soziale Aspekte kommen hierbei fast
unwillkürlich ins Spiel.
Den Augenpunkt aller Rathaus-Betrachtungen wird die
groß und heiter angelegte offizielle Festveranstaltung
der Stadt bilden.
Die andere, zweite Blickrichtung ist die
aus dem
Rathaus hinaus, im wörtlichen wie im metaphorischen
Sinne -- Weltsicht vom ‚Tellerrand’ des
Fachwerk-Zentrums her, das architekturhistorische
Monument als ‚Erzählhaus, Denkhaus, Arthaus’:
Ausstellung von Kunstwerken im Rathaus und ums
Rathaus herum mit Akzent auf neue, auch
experimentelle Kunst, übergreifend Architektur- und
Technikgeschichtliches -- ‚Rähmbau reframed’; im
Besonderen ein visiertes John-Cage-Projekt:
musikalische Aufführungen und Aktionen (in Kirche
und Regionalmuseum), die sich gruppieren um die
kurzzeitig-fragmenthafte Übertragung des ‚längsten
(mehrhundertjährigen) Musikstückes der Welt’ aus
Halberstadt unter das Rathaus resp. wie eine
Klangglocke darum, mit mannigfachen Sinn(bild)-Bezügen und zahlensymbolischer
Verankerung -- der 500. Geburtstag des Rathauses und
der 100. des musikalischen Neuerers Cage als Folie,
um im Rahmen von Städteverbrüderung und
musikalisch-technischem Experiment Phänomene wie
Zeit, Altern und Tod zu reflektieren.
Der Blick gleichsam aus den Rathaus-Fenstern in die
Welt kann eine visuelle und zugleich humanitäre
Leitlinie finden, indem die Kernsätze der Charta der
Menschenrechte zur Anschauung gebracht werden durch
Kunstwerke im städtisch-dörflichen Raum und/oder in
der gemessenen Zeit – mit Rückbindung an die lokale
Kulturszene und an die Vielfalt fremder Kulturen in
Alsfeld. Hier ergeben sich fast unwillkürlich
Wechselwirkungen mit einem zu erwartenden
wissenschaftlich-philosophischen Vortrag seitens
eines bekannten Hirnforschers / Philosophen.
Untergangsmythen sind Teil unsres Nachdenkens über
Zeit und Sinn, unseres kulturellen Bewusstseins –
eine Art Kontrapunkt zu allen ‚aufsteigenden
Linien’, die vom Rathaus-Bau und von dessen
Überleben durch 500 Jahre ausgehen: der in der
Maya-Prophezeiung sowie von Nostradamus für 2012
prognostizierte Weltuntergang und der 100. Jahrestag
des Titanic-Desasters gehören hierher, mitsamt dem
Gedicht „Weltuntergang“ von Jakob van Hoddis, dessen
Geburt sich am Eröffnungstag der 2. Alsfelder
Kulturtage zum 125. Male jährt – Impulse für
mögliche Programmpunkte im Sinne einer kathartischen
Wirkung und eines „Dennoch“. Auch dem partiellen
Untergehen dörflicher Welten kann einiges
entgegengestellt werden: so versucht der
Kulturtage-Ansatz „Über die Dörfer“ ländliche
geprägte, originäre und originelle Kultur ‚vom
Kirchturm aus’ in den Blickpunkt zu rücken.
Angebote aus Alsfelder Kräften, sei es im Bereich
Musik, Theater, Malerei, Fotografie oder spezifisch
dörflichen Gepräges sind insgesamt – bei aller
Eigenwertigkeit – immer wieder auch als Gegengewicht
zur Rathaus-Thematik, auflockernd und verklammernd
zu verstehen; insbesondere aber überschreiten oder
überspielen sie vielfach und -fältig die Grenzen
zwischen Kern-Stadt und dörflichem Umfeld, zwischen
historischer Stätte und urban geprägtem modernem
Leben, zwischen „Heimat“ und ‚weiter Welt’.
Alsfeld hat – und nutzt – die Chance, sich auf der
„Straße durch die kurzen Hessen“ dem Mainstream
entgegenzustellen, indem der viel beschworene und
geschichtsträchtige „Ackerbürger“ als ‚Kulturbürger’
(einer in dieser Hinsicht noch immer oder mehr denn
je reichen Stadt) neu ersteht – unter weiter
gehender Ausschöpfung unserer geistigen, sozialen,
künstlerisch-kulturellen, humanitären Potentiale…
Verfasser: Dr. Walter Windisch-Laube
Alsfelder Kulturtage e.V.
Marburger Straße 42
36304 Alsfeld (Hessen)
Telefon 06631 - 91181940
http://www.alsfelder-kulturtage.de
E-Mail
info@alsfelder-kulturtage.de
(Stand: 10.08.2011) |