• Verfasser: Traudi Schlitt
  • Themen: Thema: Presse
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Königinnen, Alltagsblicke, Frauenleben

Gleich drei interessante Lesungen erfreuten die Gäste der Alsfelder Kulturtage eröffnet

Sie gehören schon immer zum Programm der Alsfelder Kulturtage: Lesungen von Autorinnen und Autoren, unterhaltsam, nachdenklich stets in besonderem Ambiente. Gleich drei Lesungen infolge erfreuten in diesen Tagen die Gäste.

Den Lesereigen eröffnete Tim Frühling am Samstag in der Villa Raab. Er hatte mit Daniel Rohde seinen altbekannten Kommissar aus Bad Hersfeld mitgebracht, der in dem Buch „Hessentagtod“ den Tod einer hessischen Hoheit tragischerweise auf dem Hessentag aufklären musste. Dabei ließ der aus Funk und Fernsehen bekannte Moderator kein Klischee aus, das man Frauen und Männern nachsagen könnte: Unter den Frauen, darunter so bedeuten Majestäten wie die Ahle-Wurscht-Königin, die Kirschenkönig oder die Burgenkönigin, die um die Wahl zur Hessenkönigin buhlten, herrschte ein sehr unterhaltsamer Zickenkrieg. Die Männer verloren angesichts der einen oder anderen Hoheit die Contenance und Interna aus dem Ü-Wagen und dem Hessentagszelt des Hessischen Rundfunks gab es außerdem. Rein fiktiv natürlich und so witzig und gutgelaunt dargeboten, dass es eine Freude war. Tim Frühling outete sich als großer Alsfeld-Fan, was umso mehr für Begeisterung sorgte.

Die zweite Lesung fand in Rampsecks Weinkeller statt. Dorthin hatte Traudi Schlitt eingeladen. Die Alsfelder Kolumnistin las nicht nur neue Texte zum Thema „Überleben in irren Zeiten“, sondern hatte auch kleine Rückblicke aus „unbeschwerten Tagen“ dabei. Wer sie kennt, weiß, dass ihre Texte über Vergesslichkeit, Ikea oder die von ihr erfundene Rosenkohlmeditation jede Menge Identifikationspotenzial und nicht weniger Gute-Laune-Potenzial haben. Für Letzteres sorgte auch die Band „Hut ab!“, die Schlitt auf der Bühne im gemütlichen Keller begleitete und für viele Kolumnen genau das passende Stück ausgesucht hatte.

Weiter ging es am Dienstagabend mit Astrid Ruppert. Auch sie las an einem besonderen Ort, nämlich in der frisch eröffnete Museumsscheune. Ihre Geschichten der Winterfrauen, die sie über einen Zeitraum vom fast 150 Jahren in ihrer Trilogie „Leuchtende Tage“, „Wilde Zeiten“ und „Ein Ort, der sich Zuhause nennt“ begleitet, berühren und unterhalten gleichermaßen. Viele kluge Gedanken, insbesondere über Mütter und Töchter, sowie die überaus sorgfältig recherchierte Zeitgeschichte vom Kaiserreich über die den Ersten Weltkrieg, die Weimarer Republik, die Nazizeit und die junge Bundesrepublik bis in die Gegenwart machen diese Trilogie zu etwas ganz Besonderem. Durch ihren Vortrag unterstrich die Autorin, wie sehr Biografien von Zeitgeschichte abhänge, wie Schweigen alles erschwert und wie wohltuend es ist, sein Lebensgepäck ab und zu aufzupacken und neu zu sortieren.

Fotos: T. Gremmel